Wärmepumpen-Kaskade versorgt Pfarrzentrum und Pfarrhaus
71 Prozent Wärmeautarkie im ersten Jahr

In der evangelischen Kirchengemeinde Meersburg am Bodensee versorgt seit Januar 2025 eine Kaskade aus zwei OVUM AirCube Wärmepumpen das Pfarrzentrum sowie das benachbarte Pfarrhaus mit zwei Wohneinheiten. Die zuvor genutzte Gasheizung mit einem Verbrauch von rund 65.000 kWh Erdgas pro Jahr wurde durch die neue Anlage mit drei getrennten Heizkreisen und einer separaten Brauchwasser-Wärmepumpe ersetzt. Nach einem Betriebsjahr erreicht die Anlage laut Monitoringdaten eine Jahresarbeitszahl von 4,3; im Dezember 2025 lag die Wärmeautarkie bei 71 Prozent – ein zusätzlicher Heizstab war bislang nicht erforderlich.
Umgesetzt wurde das Projekt durch Selg Haustechnik GmbH.
Zwei Gebäude, ein Wärmeverbund
Ausgangspunkt des Projekts war ein Energiegutachten für die Liegenschaft der evangelischen Kirchengemeinde Meersburg. Das ursprüngliche Gemeindezentrum wurde im Lauf der Zeit um ein Pfarramt, einen weiteren Saal sowie ein Pfarrhaus mit zwei Wohneinheiten erweitert. Während im Pfarrzentrum auf 558 m² täglich Veranstaltungen, Büro- und Seminarbetrieb stattfinden, dient das rund 220 m² große Pfarrhaus als Wohnhaus für die Familie der jeweiligen Pfarrerin oder des Pfarrers. Beide Gebäude sind über eine Erdleitung zu einem gemeinsamen Wärmeverbund zusammengeschlossen.
Auf Basis des energetischen Sanierungsplans wurde die bestehende Gastherme durch zwei OVUM AirCube Luft-Wasser-Wärmepumpen ersetzt, die in Kaskade arbeiten und über die vorhandene Verbindungsleitung auch das Pfarrhaus mitversorgen. Zusätzlich wurde die Wärmeverteilung durch einen hydraulischen Abgleich der Heizkreise optimiert.
- 2× OVUM AirCube 520P R290 in Kaskade
- 3 Heizkreise mit getrennten Vorlauftemperaturen
- Separate Brauchwasser-Wärmepumpe im Pfarrhaus
- PV-Anlage und Batteriespeicher

Ausgangslage: zentrale Gasheizung mit hohen Verteilverlusten
Vor dem Umbau versorgte eine zentrale Gasheizung im Pfarrzentrum beide Gebäude über eine Fernleitung, bei einer Vorlauftemperatur von 42 °C und einem Energieverbrauch von rund 65.000 kWh Erdgas pro Jahr. Auch die Trinkwarmwasserbereitung lief zentral über das Pfarrzentrum: Das Warmwasser wurde dort erzeugt und über eine rund 60 Meter lange Leitung in beide Gebäude verteilt – obwohl rund 98 % des tatsächlichen Warmwasserbedarfs im Pfarrhaus anfielen. Über die lange Fernleitung entstanden dadurch Verluste, die laut Bericht etwa dem Vierfachen des tatsächlichen Warmwasserbedarfs im Pfarrhaus entsprachen.

Wärmepumpen-Kaskade auf einen zentralen Pufferspeicher
Die beiden OVUM AirCube Wärmepumpen (je 19 kW thermische, max. 10 kW elektrische Leistung, Wärmequelle Außenluft, Kältemittel R290) arbeiten hydraulisch in Kaskade auf einen zentralen Pufferspeicher, der sowohl den Lastenausgleich übernimmt als auch Energie für Abtauvorgänge bereitstellt. Von dort aus werden drei getrennte Heizkreise mit unterschiedlichen Vorlauftemperaturen versorgt – abgestimmt auf die unterschiedliche Nutzung von Wohnen im Pfarrhaus sowie Büro-, Arbeits- und Seminarbetrieb im Pfarrzentrum.
Zur Optimierung wird die Heizkurve laufend durch den eingewiesenen Hausmeister angepasst; ein Online-Fernwartungstool des Herstellers ermöglicht zusätzlich eine laufende Überwachung und schnelle Unterstützung bei Bedarf.
- Elektrische Leistung: 2× max. 10 kW
- Thermische Leistung: 2× 19 kW
- SCOP (Herstellerangabe): 4,4 · JAZ laut Planung: 5,5
- Vorlauftemperaturen der drei Heizkreise: 42 °C, 36 °C und 35 °C
- Inbetriebnahme: 23.1.2025 | Umsetzungszeitraum: 6.11.2024 bis 23.1.2025
Warmwasser dort erzeugen, wo es gebraucht wird
Als Lösung für die frühere zentrale Warmwasserverteilung wurde im Pfarrhaus eine separate Brauchwasser-Wärmepumpe installiert, während im Pfarrzentrum ein kompakter 3-kW-Durchlauferhitzer den geringen Bedarf der Teeküche abdeckt. Dadurch konnten die Fernleitungsverluste der bisherigen rund 60 Meter langen Leitung laut Bericht vollständig vermieden werden.
Montage der Außengeräte
Die beiden Außeneinheiten der Wärmepumpen-Kaskade wurden von Selg Haustechnik GmbH auf einem Sockel neben dem Heizungsraum installiert und anschließend mit einer Lattenverkleidung als Sichtschutz versehen.
PV-Überschuss gezielt für die Brauchwasserbereitung nutzen
Parallel zur Heizungsmodernisierung installierte ein weiteres Unternehmen eine Photovoltaikanlage mit Batteriespeicher. Für die Schnittstellen zwischen den Gewerken kam das gemeinsame Schnittstellenpapier der Fachverbände aus Elektro- und SHK-Handwerk zum Einsatz. Bewusst wurde darauf verzichtet, die Heizungswärmepumpen bei PV-Überschussleistung auf höhere Temperaturen zu heben, da dies bei der vorhandenen Gebäudenutzung nur zu zusätzlichem Takten geführt hätte. Stattdessen wird die Brauchwasser-Wärmepumpe über die SG-Ready-Schnittstelle gezielt bei PV-Überschuss betrieben. Laut Bericht wird dadurch ein Anteil von rund 45 bis 55 % des Wärmepumpenstroms durch die PV-Anlage selbst erzeugt.
Live-Monitoring über die MIRA
Über die MIRA lässt sich der Betrieb der Anlage jederzeit nachvollziehen – von der aktuellen Leistungsaufnahme bis zur monatlichen Energiebilanz.
Betriebsergebnisse nach einem Jahr
Die Heizlast wurde nach DIN 12831 berechnet; die Anlage ist so ausgelegt, dass die Wärmepumpen-Kaskade den Wärmebedarf ohne zusätzlichen Wärmeerzeuger deckt. Laut Monitoring musste der Heizstab bislang nicht eingesetzt werden. Nach einem Betriebsjahr lag die gemessene Jahresarbeitszahl bei 4,3, im Dezember 2025 bei 3,5. In 6.072 Betriebsstunden zählte die Anlage bislang 879 Schaltzyklen. Eine weitere Effizienzsteigerung ist laut Bericht vor allem über Sanierungsmaßnahmen an der Gebäudehülle des Altbaus möglich, die im Sanierungsplan bereits vorgesehen sind.
Zu den Gesamtkosten von rund 106.000 € zählen laut Bericht neben der Wärmepumpen-Kaskade auch die begleitenden Maßnahmen – PV-Anlage, Batteriespeicher, hydraulischer Abgleich, Heizkreispumpen und elektrische Stellantriebe zur Einzelraumregelung. Verglichen mit dem bisherigen Gaspreis werden laut Bericht rund 50 % der Energiekosten eingespart; eine genaue Kostenersparnis lässt sich laut Bericht nicht beziffern, da ein Teil des Wärmepumpenstroms durch die neue PV-Anlage selbst erzeugt wird und die Warmwasserbereitung inzwischen über den allgemeinen Haushaltsstrom ohne separaten Zähler läuft.
Umgesetzt mit Selg Haustechnik GmbH
Planung und Installation der Wärmepumpen-Kaskade in Meersburg übernahm Selg Haustechnik GmbH als OVUM Partnerbetrieb.